Beschäftigte und ihre Erfahrungen der AAG bei Hydrometer

Ansbach, 25.03.2014 - Die Westmittelfränkische Lebenshilfe GmbH begleitet seit Oktober 2013 eine Außenarbeitsgruppe bei Hydrometer. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgruppe von Menschen mit Behinderung, die vorher in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe-Werkstatt in Ansbach-Brodswinden beschäftigt waren, und nun in den Gebäuden bei Hydrometer tätig sind. Begleitet wird die Gruppe von einer Gruppenleiterin und einer Pflegekraft. Die Arbeitszeiten sind einheitlich von 07:45 – 15:15 Uhr gestaltet.

Alexander Krebs kommt aus Ansbach, ist 38 Jahre alt und seit 17 Jahren Beschäftigter der Lebenshilfe. Seit Oktober 2013 ist er mit weiteren Kolleginnen und Kollegen in der Montagegruppe „Wasserzähler“ bei Hydrometer beschäftigt. Alexander fühlt sich auf seinem neuen Arbeitsplatz sehr wohl. Er erklärt, dass jeder seinen eigenen Arbeitsplatz hat und auch dafür verantwortlich ist, das Klima in der Gruppe sei einfach klasse. Arbeit ist immer genug da und macht Spaß. „So habe ich mir das immer gewünscht“, erzählt Alexander. Auch die Mitarbeiter der Fa. Hydrometer seien äußerst nett. Man wird immer freundlich empfangen und begrüßt, das ist ein schönes Gefühl. Alexander ist mit der neuen Situation vollkommen zufrieden und möchte nicht mehr tauschen. Trotzdem trifft er seine alten Freunde der Werkstatt noch bei gemeinsamen Veranstaltungen der Lebenshilfe, z.B. bei Weihnachtsfeiern, Faschingsfeiern oder Ausflügen.

Daniela Schuster kommt ebenfalls aus Ansbach, ist 27 Jahre alt und seit 4 Jahren Beschäftigte der Lebenshilfe. Auch sie ist seit Oktober 2013 in der Montagegruppe „Klemmringe“ bei Hydrometer im Einsatz. „Die Montage macht mir richtig viel Spaß, da bin ich gut und schnell“, erklärt Daniela mit Stolz. Die Atmosphäre passt insgesamt prima, es herrscht Ruhe in der Gruppe und jeder hat seine Arbeit. Auch Daniela hebt die Freundlichkeit der Mitarbeiter hervor und möchte, nach Möglichkeit, nicht mehr zurück in die Werkstatt.

Jörg Trautner ist mit 39 Jahren schon seit 20 Jahren als Beschäftigter in der Lebenshilfe tätig. Er kommt aus Wicklesgreuth und fährt mit Bahn und Bus bis zur Haltestelle Hydrometer. Sein Einsatzgebiet ist die Montagegruppe „Wasserzähler“, in der er ebenfalls seit Oktober 2013 tätig ist. Jörg erzählt, dass die Arbeitsgruppe gut zusammenpasst und es nie Streit gibt. Mit der Belegschaft bei Hydrometer kann man gut reden, bevor es dann an die Arbeit geht. Einen großen Zeitdruck bei der Arbeit gibt es nicht, jeder macht soviel wie er kann. Das Essen ist sehr gut, man kann sich zum Frühstück per Liste etwas bestellen, und zum Mittagessen von zwei Hauptgerichten auswählen. „S“ steht für Schnitzel und schmeckt besonders gut! Jörg hat weiterhin guten Kontakt zu Kollegen der Lebenshilfe Werkstatt, weil er noch regelmäßig am Fußballtraining teilnimmt. Andere Kolleginnen und Kollegen sind aktiv beim Schwimmen dabei und werden auch dazu regelmäßig abgeholt.
Alle Beschäftigten betonen, dass sie mit der Gruppenleiterin Frau Scheuerlein und der Pflegekraft, Frau Hofmann, sehr zufrieden sind.

Für das Projekt zur Umsetzung einer Außenarbeitsgruppe wurden bereits 2012 die ersten Weichen gestellt. In kleinen Schritten wurde aus dem anfänglichen Inklusionsgedanken sehr schnell ein Konzept entwickelt, das in die Tat umgesetzt werden konnte. Federführend bei der Zusammenarbeit waren der Hydrometer-Betriebsleiter, Herr Robert Zahn, und der Werkstattleiter der Lebenshilfe, Herr Willi Ulm.
„Mit der Umsetzung des Projektes in die Tat, ist im Oktober 2013 ein wichtiger Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Behinderung gelungen“, so Willi Ulm. Die Verbindung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und auf einem „normalen“ Arbeitsplatz ist hergestellt. Der Erfolg für den Menschen mit Behinderung spricht für sich, das konnte man aus den Gesprächen mit den Beschäftigten gut in Erfahrung bringen. Keiner der Befragten hat die Absicht geäußert, wieder zurück in die Werkstatt zu wollen. Im Gegenteil, es entstand der Eindruck des absoluten Wohlbefindens und eines Akzeptierens in der Gesellschaft.
Sehen lassen kann sich auch die Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten. Herr Ulm erklärt, dass die Motivation nicht besser sein kann. Jeder versucht auf seine Weise das Beste zu geben und beweist dies in der guten Qualität und Arbeitsleistung.
Die allgemeine Nachfrage nach Außenarbeitsgruppen ist mittlerweile sehr hoch. Werkstätten für Menschen mit Behinderung müssen sich darauf vorbereiten, dass sich die Arbeitsplätze nach außen, also vor Ort zum Kunden und Auftraggeber, verlagern. Für die Menschen mit Behinderung ein guter Schritt in Richtung Anerkennung, Selbstständigkeit und vielleicht sogar die Aussicht auf einen Außenarbeitsplatz oder sogar eine feste Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Darüber hinaus gibt es aber auch einen kleinen Nachteil für Werkstätten. Die langjährig bestehende Produktion, der Kundenstamm und die vorhandenen guten Aufträge müssen gepflegt und aufrechterhalten werden. Dies geschieht immer häufiger durch den Einsatz von Produktionshelfern, Studenten oder nebenbeschäftigten Hausfrauen. Auch das ist eine Herausforderung in der Entwicklung der Werkstätten, die es zu meistern gilt. Dennoch steht der Grundgedanke allen voran: Der Fortschritt des Inklusionsgedankens dient immer dem Wohle des Menschen!