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Zuhause

bis zuletzt

wohnen und leben

Menschen mit Behinderung, die

imWohnheim leben, sollen dort

auch ihre letzte Lebensphase

verbringen dürfen. Um dies zu

ermöglichen, nahmen vor kurzem

20 Lebenshilfe-Mitarbeiter aus den

Wohnheimen an einer Fortbildung

teil. Unter dem Motto „Leben bis

zuletzt, dort wo ich zuhause bin“,

vermittelte die Dozentin Barbara

Hartmann, die auf Palliativpflege

spezialisiert ist, in 40 Stunden

Grundlagen, Basiswissen sowie

Hintergründe. Oberste Priorität

hätte der Wunsch des Patienten

und nicht, was der Pflegende für

richtig erachtet. Als Beispiel nannte

sie die Versorgung mit Flüssig-

keit und Nahrung in der letzten

Lebensphase. Viele Patienten

würden diese oft verweigern.

DiesemWunsch zu entsprechen,

sei nicht herzlos, sondern durchaus

in vielen Situationen sinnvoll. Denn

das Verdauungssystem werde

sonst zu stark beansprucht, was

für die Patienten eine zusätzliche

Belastung sein könne. Tatsächlich

fühlten sich deshalb viele Men-

schen wohler, wenn die Nahrungs-

aufnahme reduziert werde.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei

der Palliativpflege, vor allem bei

Menschen mit Behinderung, ist

laut Hartmann die Biografiear-

beit, für die Eltern oder andere

Angehörige herangezogen

werden können. Dabei geht es

darum herauszufinden, was einen

Patienten ausmacht, ob er zum

Beispiel Musik mag oder was seine

Eine Fortbildung, die nicht alltäglich ist und auch zeitweise an die Substanz ging: Das Team der

palliativ geschulten Mitarbeiter*innen aus den Wohnheimen.

Lieblingsspeise ist. Wie wichtig diese Informationen werden können,

schilderte die Dozentin anhand eines Beispiels eines Bewohners, der

nachts bei Dunkelheit schrie. Mitarbeiter versuchten alles mögliche ihn

zu beruhigen. So ließen sie zum Beispiel Musik laufen. Dann gelang es

über eine Tante herauzufinden, dass der Patient schon als kleines Kind

Angst vor der Dunkelheit gehabt hatte. Die Mutter hatte sich immer zu

ihm ans Bett gesetzt und ihn gestreichelt, bis er eingeschlafen war. Eine

Methode, die auch noch bei dem Erwachsenen Wirkung zeigte und half

ihn zu beruhigen.

Zukünftig sollen die palliativ geschulten Mitarbeiter einen Pool bilden

aus dem, bei Bedarf, Personal für die Palliativpflege gezogen werden

kann. Auch wenn es derzeit keine konkreten Fälle gibt: Die Altersstruktur

in den Wohnheimen verschiebt sich. Die Wohnheime rüsten sich für ihre

Aufgaben in den kommenden Jahren.

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